Keine Hausratversicherung – wer zahlt?

Leider treffe ich immer wieder auf Kunden, die keine Hausratversicherung haben. Oftmals fehlt einfach der Bezug zu dieser Police, was auch daran liegt, dass Vertreter zu Gunsten eines lukrativeren Vertrages von einer Hausratversicherung abraten. Auch in verschiedenen Onlineportalen stößt man ab und an auf die Aussage, dass die Hausratversicherung nicht so wichtig wäre.

Vor Kurzem erhielt ich eine E-Mail.

Keine Hausratversicherung, wer zahlt den Schaden?

Eine Kundin fragte stellvertretend für gute Freunde, wer deren Hausratschaden zahlen würde.

Folgendes war passiert:
In der Wohnung über den Geschädigten war ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr hatte schwer zu tun, den Brand zu löschen. Im Ergebnis wurden die Wohnungen, die unter der Brandwohnung lagen, mit Löschwasser geflutet. Dieses lief an den Wänden hinab, tropfte durch die Decken, sammelte sich am Boden und beschädigte das gesamte Inventar. Der Schaden belief sich auf über 25.000 Euro.

Die Kundin wusste bereits, dass laut BGH der Vermieter für die Renovierung und Herrichtung der Wohnung zuständig sei. Es würde noch eine Brandursachenermittlung laufen, weil nicht auszuschließen ist, dass der Mieter der Brandwohnung an dem Brand Schuld war.

Für die Löschwassergeschädigten stellte sich die Frage, wer ihren enormen Schaden bezahlen würde, da sie keine Hausratversicherung hatten.

Meine Antwort auf diese Anfrage

Zu Allererst bedarf es zur Klärung der Frage, wer die Renovierung der Wohnung bezahlt, keines BGH (Bundesgerichtshof). Zuständig für die Herrichtung der Wohnung ist der Vermieter. Dieser wird die anfallenden Kosten bei seiner Gebäudeversicherung geltend machen und bleibt persönlich davon unbelastet.

Die Brandursachenermittlung gehört zu einem solchen Schaden dazu, ist aber in dem speziellen Fall kein Grund zur Freude.
Sollte sich herausstellen, dass der Brand fahrlässig durch den Mieter verursacht wurde, kann dieser für alle weiteren Schäden in Regress genommen werden. Das heißt, dass er haftbar zu machen ist. Hat er nicht die finanziellen Mittel zum Ausgleich der Schäden, kann man nur hoffen, dass eine Privathaftpflichtversicherung besteht. An diese könnte er die Ansprüche abtreten, aber:

Die Privathaftpflicht leistet nur Zeitwert!

Das ist der Grund, weshalb ich eingangs schrieb, dass die Brandursachenermittlung in diesem Fall kein Grund zur Freude ist. Im Gegensatz zur Hausratversicherung, die den Neuwert leistet, zahlt die Privathaftpflichtversicherung nur den Zeitwert. Sind die Möbel also schon ein paar Jährchen älter, gibt es enorme Abzüge bei der Versicherungsleistung, das kann sogar gen Null ausgehen. Vorausgesetzt, es gibt eine Privathaftpflichtversicherung, blieben die Löschwassergeschädigten also trotzdem auf einem Großteil des Schadens sitzen.

Sollte sich im Rahmen der Brandursachenermittlung herausstellen, dass der Mieter den Brand vorsätzlich gelegt hat, ist die Privathaftpflicht sowieso raus.

Dafür ist die Hausratversicherung da

Die Hausratversicherung deckt Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel und Einbruchdiebstahl ab, sowie Folgeschäden (in diesem Fall das Löschwasser, das den eigentlichen Schaden verursacht hat).

Die Hausratversicherung zahlt Neuwert

Oft höre ich von Kunden, dass die alten Möbel eh nichts mehr wert seien, die Hausratversicherung würde dafür sowieso nichts mehr zahlen.

Hier kann ich immer nur sagen: „Ein Schrank ist ein Schrank und ein Bett ist ein Bett!“

Auch wenn es alt ist, so hat es doch einen Grund, dass sie es bis jetzt aufgehoben haben – der Schrank ist so schön praktisch, ebenso wie das Bett, der Fernseher, der Tisch und die Stühle.

Wird also der Schrank durch eines der versicherten Ereignisse irreparabel beschädigt oder zerstört, bekommen Sie einen neuen Schrank gleicher Art und Güte. Sollte es Ihren Schrank noch im Handel geben, bekommen Sie diesen in neu. Oder ein vergleichbares, neues Modell. Gleiches gilt für den Fernseher, das Bett, die Stühle, den Tisch und das Sofa.

Egal, wie alt die Möbel waren, wenn sie noch heil und funktionstüchtig waren, bekommen sie neue.

Fazit in diesem Fall

Wer keine Hausratversicherung hat, bleibt meistens auf seinem Schaden sitzen. Sofern die gesparten Beiträge zur Hausratversicherung auch wirklich gespart wurden, lassen sich kleinere Schäden beheben, wenn nicht, Pech gehabt.

Und so deutlich habe ich das auch der Kundin vermitteln müssen. Sie hat es mir nicht übel genommen und man kann nur hoffen, dass die Geschädigten mit viel Unterstützung halbwegs glimpflich aus der Sache herauskommen und für die Zukunft gelernt haben.